Fahrraddiebstähle in Deutschland – So schützt Du dich richtig 

27.06.2019

Vielleicht hast Du es auch schon einmal erlebt: Du schließt dein Fahrrad in vermeintlicher Sicherheit an und wenn Du von der Uni oder Arbeit zurückkommst, ist es weg. So ergeht es täglichen einer Vielzahl an Leuten. Circa 800 Fahrräder werden pro Tag in Deutschland gestohlen. Wie kann man sich dagegen schützen und wo werden eigentlich die meisten Fahrräder in Deutschland gestohlen? Wir liefern dir Antworten auf diese Fragen, damit dir dein Rad nicht abhandenkommt.

Wo werden die meisten Fahrräder gestohlen?


Die Chancen nach einem Diebstahl sein Rad wieder zu bekommen sind unglaublich gering, denn die Aufklärungsquote beläuft sich auf grade mal 9,3 %. Viele Betroffene melden deshalb ihren Verlust gar nicht erst der Polizei. Daher wird eine äußerst hohe Dunkelziffer vermutet.
In Großstädten macht vor allem der Bezirk, in dem das Fahrrad abgestellt wird, einen bedeutenden Faktor aus. In Hamburg, Berlin oder Köln beispielsweise, kann sich das Risiko eines Diebstahls von einem auf den anderen Stadtteil verdoppeln.

Aus einer polizeilichen Kriminalstatistik geht hervor, dass es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle bei den Diebstählen gibt. Heißt, im Norden ist die Quote weitaus höher als im Süden Deutschlands. Stand April 2019 führt Halle (Saale) diese Statistik an mit 1.534 Diebstählen pro 100.000 Einwohner. Es folgen Leipzig mit 1.509 und Münster mit 1.398 geklauten Fahrrädern.

Auf die Bundesländer gerechnet, werden in den Stadtstaaten die meisten Räder geklaut. Bremen ist dabei an der Spitze mit 1070 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Berlin folgt mit 837 und Hamburg mit 749 Diebstählen. Thüringen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bilden die Schlusslichter der Statistiken, hier werden die wenigsten Fahrräder gestohlen.

Vor allem im Osten Deutschlands gibt es einige Hochburgen von Fahrraddieben, da diese die Räder schnell über die Grenze nach Polen schaffen können, um sie dort weiterzuverkaufen. Da Fahrraddiebstahl immer noch von vielen Staatsanwälten als relativ kleines Delikt gesehen wird, gibt es übrigens so gut wie keine Chance sein Rad wieder zu bekommen, sobald es die Grenze passiert hat.

Obwohl sich das alles ziemlich ernüchternd anhört, sinkt die Quote der Fahrraddiebstähle in den letzten Jahren stetig. Wenn auch nur minimal. Woran das genau liegt, lässt sich nur spekulieren. Es könnte aber damit zusammenhängen, dass Fahrradfahrer ein anderes Bewusstsein für ihr Fortbewegungsmittel entwickelt haben und diese besser schützen.

Abus Medium
Jedes Schloss lässt sich knacken

Welche ist die beste Sicherheitsstufe für mein Fahrrad?


Um dich ausreichend zu schützen empfehlen Fachverkäufer, circa 10% des Fahrradneupreises in ein Schloss zu investieren. Doch welches Schloss bietet dir die beste Sicherheit? Da es für Fahrradschlösser kein einheitliches System, wie z.B. die DIN Norm gibt, kann es schwer fallen, das richtige Schloss zu finden. Die Hersteller bestimmen ihre Sicherheitsstufen nach werkseigenen Klassifizierungen und gehen dabei nach ihren jeweiligen Vorstellungen von Sicherheit.

Sicherheitsstufen bekannter Anbieter:

  • Abus 15 Sicherheitsstufen
  • Axa 15 Sicherheitsstufen
  • Fischer 9 Sicherheitsstufen
  • Knog 10 Sicherheitsstufen
  • Kryptonite 10 Sicherheitsstufen
  • Masterlock 10 Sicherheitsstufen
  • Onguard 100 Sicherheitsstufen
  • Trelock 6 Sicherheitsstufen
  • Zefal 5 Sicherheitsstufen

Die Produzenten von Fahrradschlössern definieren ihre Sicherheitsklassen sehr unterschiedlich. Bei Kryptonite beispielsweise spielt lediglich die Aufbruchsicherheit eine Rolle. Abus hingegen bestimmt die
Gesamtwertung aus drei Faktoren: Sicherheitsmerkmale, Bedienungsfreundlichkeit und Design. Siegel der unabhängigen Prüfinstitutionen ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.) und VdS (Vertrauen
durch Sicherheit) sind zudem gute Indikatoren, um sichere Schlösser zu finden.

Auch wenn Du dein Schloss gefunden hast, sollte dir immer bewusst sein, dass kein Schloss 100% sicher ist. Mit genug Zeit und Aufwand kann jedes Schloss geknackt werden.
Wie kann ich mein Fahrrad schützen?


Nach dem Kauf solltest Du dein Fahrrad auf alle Fälle versichern. Wenn es zu einem Diebstahl kommt, erhältst Du vielleicht nicht deinen geliebten Drahtesel wieder, allerdings aber eine Entschädigung. Im Jahr 2018 zahlten Versicherer für jedes gestohlene Fahrrad circa 630 Euro. Zehn Jahre zuvor waren es im Schnitt nur 370 Euro pro gestohlenes Rad. Die Hausratsversicherung übernimmt nur Kosten, falls das Rad aus deinem Wohnraum entwendet wurde. Daher ist es ratsam sich eine spezielle Fahrradversicherung zuzulegen. Sobald das Rad einen Wert von über 3000 € hat, ist es Voraussetzung, dass das Schloss vom ADFC oder VdS geprüft wurde, um Versicherungsansprüche geltend zu machen. Hast du alles Mögliche getan, um dein Fahrrad vor einem Diebstahl zu schützen, sollte es keinerlei Probleme mit der Versicherung geben.

Zusätzlich gibt es noch einige Tricks, die Du anwenden kannst, um dein Fahrrad zu schützen: Auch wenn Fahrraddiebe überall zuschlagen und dabei vor Dreistigkeit nicht zurückschrecken, ist es empfehlenswert, sein Fahrrad an belebten Plätzen anzuschließen, an denen sich im besten Fall noch Überwachungskameras befinden. Einige Diebe schreckt dies ab.

Um dem Diebstahl entgegenzuwirken, solltest Du dein Fahrrad immer an einen fest mit dem Boden verbundenen Gegenstand, wie einen Fahrradständer oder eine Straßenlaterne, anschließen. Der Rahmen des Rads muss immer an den Gegenstand angeschlossen werden. Schließt Du dein Fahrrad nur am Vorder- oder Hinterrad an, kann dieses einfach abgeschraubt werden und der Dieb kann dein Fahrrad mitnehmen. Damit keine Hebelwirkung auf das Schloss ausgewirkt werden kann, sollte es eng am Fahrrad anliegen.

Eine bewährte Lösung, um Diebe abzuschrecken, ist das Verwenden von zwei verschiedenen Schlössern. Die meisten Fahrraddiebe lassen von ihrer Beute ab, sobald sie länger als 3 Minuten brauchen. Zudem hat sich gezeigt, dass viele Diebe jeweils auf eine Schlossart spezialisiert sind. Zwei gute Schlösser wirken nicht nur abschreckend auf den ersten Blick, sondern bedeuten auch zu viel Aufwand.

Hier noch einmal alle Punkte übersichtlich für dich zusammengefasst:

  • Wähle einen öffentlichen, hellen Ort mit möglichst vielen Fußgängern
  • Schließ dein Fahrrad auch bei kurzen Stopps ab
  • Such dir fest mit dem Boden verbundene Gegenstände zum Anschließen
  • Schließ dein Schloss immer durch den Rahmen an, nicht nur durch die Räder
  • Nutze 2 Schlösser für höhere Sicherheit
  • Hast Du diese Hinweise stets im Hinterkopf, sollte dein Fahrrad dir lange erhalten bleiben.

In unserem ausführlich Praxistest haben 7 Fahrradschlösser auf die Probe gestellt. Hier erfährst Du, welche Schlösser einem Diebstahl am längsten standhielten.